Kollageninjektion im Intimbereich: Kleine Spritze, großes Feuerwerk?

Es geht um den ultimativen Orgasmus. Wieder mal, oder immer noch. Mehr denn je wünschen sich selbstbewusste Frauen mehr sexuelle Intensität. Also mehr Feuerwerk, weniger Hilfsmittel, mehr Orgasmus eben. Und damit ist nicht der klitorale Orgasmus gemeint. Das ist nämlich der, den ein Großteil der Frauen bekommt, wenn die Klitoris entsprechend stimuliert wird. Der ist auch toll, keine Frage. Aber was ist mit dem ominösen vaginalen Orgasmus? Beinahe unerreichbar scheint er, und offensichtlich für nur wenige Frauen zugänglich. Zynische Zungen leugnen vehement, dass es diesen überhaupt gibt. Denn nicht jede Frau erlebt ihn, aber jede will ihn. Bombastisch soll er sein. Viel explosiver noch und viel intensiver als sein kleiner klitoraler Bruder. Das jedenfalls berichten jene, die bereits in den Genuss gekommen sind. Was aber befähigt sie dazu?

Finde den G-Punkt

Die Ursache des vaginalen Orgasmus soll der berühmte G-Punkt sein. Der sagenumwobene, viel diskutierte und bis heute nicht hundertprozentig nachgewiesene G-Punkt also, den Männer seit Jahrzehnten verzweifelt suchen und dessen mystisches Geheimnis sie fürchten. Denn wer den Punkt aller Punkte nicht findet, wird keine Frau glücklich machen können, so die ketzerischen Thesen zahlreicher Sexexperten. Doch was hat es eigentlich wirklich auf sich damit? Ist an den hartnäckigen Gerüchten über den G-Punkt tatsächlich was dran? Wissenschaftlich ist
nichts eindeutig belegt. Anatomische Beweise gibt es auch keine für die Existenz des spektakulären Punktes.

Es war 1950, als der deutsche Gynäkologe Ernst Grafenberg eine Region im vorderen Bereich des weiblichen Geschlechtsteils entdeckte, die fortan seinen Namen trägt und um die sich bis zum heutigen Tag zahlreiche Mythen ranken. Seit wenigen Jahren nun nahmen sich Mediziner verstärkt des Phänomens G-Punkt an und entwickelten eine Möglichkeit, durch eine G-Punkt-Intensivierung sowohl die Orgasmusfähigkeit, als auch das allgemeine Lustempfinden zu steigern. In den USA wurde bereits zu Beginn der Jahrtausendwende die neue G-Punkt-Intensivierung entwickelt. Seit 2013 nehmen die Behandlungen rapide zu. Amerikanischen Studien zufolge beträgt die Erfolgsquote für das Erleben des vaginalen Orgasmus unglaubliche 90%. Sogar multiple Orgasmen sollen nach solch einer Behandlung des G-Punktes möglich sein.

Was ist der G-Punkt und warum?

Der G-Punkt ist kein Punkt als solcher, sondern vielmehr ein spezieller Bereich in der vorderen Wand der Vagina. Er soll ungefähr zwischen 1-2 cm Durchmesser umfassen. In diese Region führen bis zu 8000 Nerven hin, was die extreme Empfindlichkeit erklärt. Wenn diese vielen tausende Nervenstränge sexuell stimuliert werden, durch Penetration zum Beispiel, schwillt die G-Punkt-Zone mehr oder weniger stark an. Die Stärke der Empfindlichkeit variiert von Frau zu Frau.

Wenn der G-Punkt stimuliert wird, wird ein Sekret produziert, das über die Scheide ausgeschieden wird. Hier spricht man von der weiblichen Ejakulation. Manche Frauen sondern diese Flüssigkeit nie ab. Eine kleine Spritze soll helfen, den G-Punkt jeder Frau so zu behandeln, dass das Orgasmuserlebnis intensiver wird oder die Fähigkeit zum Orgasmus angeregt wird. Der komplette Eingriff dauert weniger als eine halbe Stunde und ist in der Regel schmerzfrei. Er kann immer wieder wiederholt werden. Die Risiken dieser Schönheits-OP im Intimbereich sind zwar vermeintlich gering, dennoch kann es mitunter zu Entzündungen im behandelnden Bereich kommen. Auch die Harnwege können sich entzünden.
Weitere Nebenwirkungen können sein:

-Verkrampfung des Beckenbodens oder von Teilen der Vaginalmuskulatur
-schmerzende Verengung des Scheideneingangs
-heftige Reizung des sensiblen Bereichs
-Abtötung oder Schwächung des Lustempfindens
-Zerstörung des Gewebes

Ein G-Shot, der alles verändert?

Einen G-Shot setzen lassen, bedeutet, dass eine Substanz in den G-Punkt der Frau mittels einer Spritze gefüllt wird, um so eine Volumenvergrößerung des G-Punktes zu erreichen und damit eine deutliche Luststeigerung zu bewirken. Chirurgen verwenden entweder Hyaluron oder Kollagen für eine G-Punkt-Unterspritzung. Die entsprechenden Mittel weiten die Region um den G-Punkt künstlich aus. Die Wirkung lässt nach ungefähr vier bis neun Monaten wieder nach, weil der Körper sowohl Hyaluron als auch Kollagen recht zügig wieder abbaut. Der G-Punkt hat dann wieder seine ursprüngliche Größe.
Alternativ wird auch Körperfett für eine G-Punkt-Amplifikation benutzt. Diese verspricht lebenslange Haltbarkeit. Eine Garantie auf tatsächlichen Erfolg gibt es nicht. Die Wirkung ist zudem umstritten, weil nach wie vor nicht eindeutig feststeht, ob es den berühmten G-Punkt überhaupt gibt. Ärzte gehen davon aus, dass im Bereich der Skene-Drüsen der G-Punkt sitzt. Diese Drüsen können bei Stimulierung zu sexueller Erregung führen. Bei einigen Frauen sind die Drüsen nur schwach ausgeprägt und so würde sich auch medizinisch erklären, warum viele Frauen Befriedigung ausschließlich durch Stimulation der Klitoris verspüren können.

Aufspritzen und dann?

Von Medizinern und Wissenschaftlerin gleichermaßen wird der Trend zur Aufspritzung des G-Punktes kritisch betrachtet. Die Motivation dahinter ist ein von vielen Frauen immer häufiger angestrebtes sexuelles Ideal, um mithalten zu können. Mithalten aber mit was? Die Suche nach dem perfekten Partner geht über in eine Suche nach dem perfekten Sex. Dann werden vielversprechende Wundermittel konsumiert und es heißt plötzlich: Orgasmus mit Spritze anstatt Orgasmus mit dem passenden Partner. Das immer noch vorherrschende falsche Verständnis, dass Sex unmittelbar und zwingend mit einem gigantischen Orgasmus zusammenhängen muss, treibt vor allem junge Frauen dazu, sich im Intimbereich aufpimpen zu lassen. Ein erfülltes Sexualleben braucht keinen medizinischen Eingriff!

Sofern medizinische Gründe für eine gestörte Sexualität vorliegen, mag das etwas anderes sein. Bevor sich Frau jedoch einem G-Shot unterwirft, empfiehlt es sich zuerst noch immer, auf natürliche Art und Weise Wege zu einem befriedigenden Sexleben zu finden. Die Natur gibt nicht umsonst eine Klitoris mit. Und wer bereit ist, seinen Körper zu erkunden, seine Lustpunkte zu entdecken und seine Bedürfnisse kennenzulernen sowie seine Wünsche offen zu kommunizieren, der braucht wahrscheinlich keine G-Punkt-Aufspritzung.